Interview (in German)

The following Interview was conducted by a group of students in September 2006

Das nachstehende Interview durfte ich im September 2006 einer Gruppe Studenten des KV Basel geben:


1. Wie kamst Du zum Bodybuilding und was fasziniert Dich an diesem Sport?

Bevor ich mit dem Bodybuilding anfing, habe ich viele verschiedene Sportarten betrieben. Darunter Judo, Schwimmen, Tennis und Eishockey. Ich komme aus einer sportlichen Familie. Mein Vater war in seiner Jugend Olympiaschwimmer (Rom 1960), später Judolehrer und war stets ein Motivator.

Zum Bodybuilding kam ich, weil ich mich für die RS optimal vorbereiten wollte; ich wurde als Panzergrenadier ausgehoben und hatte als dünner Sprenzel etwas Angst, den Strapazen nicht gewachsen zu sein.

Was fasziniert mich am Bodybuilding? Sicherlich, dass der Weg das Ziel ist. Hätte ich einen perfekten Körper, fände ich diesen Sport wohl langweilig. Das Interessante ist, dass man sich ständig verbessern kann. Und zwar stehen die Resultate in direkter Beziehung zur Anstrengung. Oder in anderen Worten: wenn ich mich fest anstrenge, werde ich dafür belohnt. Die Veränderungen sind klar ersichtlich und greifbar. Dieser Umstand ist bemerkenswert, da im täglichen Leben nicht selbstverständlich. Werden unsere Bemühungen in einer Beziehung oder im Beruf immer entsprechend belohnt? Im Bodybuilding scheint mir das der Fall zu sein. Und wie Du weisst, ist Belohnung ein wichtiges "Zückerchen" für unsere Seele, das uns Glücksgefühle und Selbstvertrauen beschert.

2. Wann hast du damit angefangen?

Ich trainiere, ohne nennenswerte Unterbrüche, seit 1984 und habe mein Interesse und meine Freude an diesem Sport nie verloren.

3. An wie vielen Wettbewerben hast du teilgenommen?

Bis dato habe ich an fünf Natural Bodybuilding Wettkämpfen teilgenommen. Zurzeit bereite ich mich auf die SNBF Schweizermeisterschaften am 21. Oktober in Horgen vor.

Obwohl ich von Natur aus eigentlich ein eher schüchterner Mensch bin, zieht es mich immer wieder auf die Bühne - und nicht nur als Bodybuilder. So kann man mich, z. B., auch im Fasnachts Querschnitt als Schnitzelbänggler des Öfteren hören oder sehen:

www.diegroobschlaechtige.ch

Der Auftritt vor Publikum ist für mich stets ein sehr intensives Erlebnis. Reagiert das Publikum positiv, empfinde ich das durchaus als euphorisierend.

Dass ich mich, ohne Kostüm und Larve, ab und an auch mal auf eine Bodybuildingbühne wage, hat unter anderem damit zu tun, dass man mit jeder Wettkampfvorbereitung die Muskelqualität verbessern kann. Darüber hinaus lässt sich mit einem klaren Ziel vor Augen viel intensiver trainieren: die Angst, sich in knappen Badehosen vor hunderten von Zuschauern zu blamieren setzt ungeahnte Kräfte frei...Ich glaube, Du verstehst, was ich meine.

4. Heute sind Sportler oft gedopt, auch im Bodybuilding. Was ist deine Meinung zu diesem diesem Thema?

Ich finde, dopen oder nicht dopen ist grundsätzlich ein Lifestyle Entscheid. Menschen, die Doping nehmen, sind per se keine "schlechteren" Menschen. Ich wehre mich dagegen, fürs Natural Bodybuilding zu missionieren und möchte auch nicht als Moralapostel auftreten. Ein jeder sollte für sich selbst den besten Weg finden und sein Leben nach seiner eigenen Façon gestalten und geniessen.

Lass mich zu diesem Thema aber etwas ausholen: der Erfolgsdruck im Spitzensport ist enorm. Bleibt der Erfolg aus, kann die eigene Existenz, wie auch die der Familie gefährdet sein. Eine Karriere, für die man jahrelang alles geopfert hat, droht zu scheitern, weil man die geforderten Ziele nicht erreicht. Unter diesem Aspekt erscheint mit die Versuchung, zu illegalen Mitteln zu greifen, nicht ganz unverständlich.

Dabei verlangen natürlich auch wir, das Publikum, immer neue Rekorde: "höher, schneller, weiter" (sprich "massiver" im Bodybuilding) lautet die Devise. Es wäre völlig naiv, zu glauben, dass diese unsere hohen Erwartungen immer ohne leistungsfördernde Mittel befriedigt werden können.

Was hingegen den Amateurleistungssport betrifft, habe ich für Doping keinerlei Verständnis. Die finanziellen Anreize sind, wenn überhaupt, lächerlich. Hier geht es hauptsächlich um Ehre, soziale Anerkennung und persönliche Glücksgefühle. Es ist meiner Meinung nach absoluter Verhältnisblödsinn, dafür seine Gesundheit aufs Spiel zu setzen. Weitere bedenkliche Aspekte sind der potenziell Konflikt mit dem Gesetz, eine mögliche physische/psychische Abhängigkeit sowie, in vielen Fällen, die Gefahr einer gewissen sozialen Abkapselung.

5. Was war dir am Anfang wichtiger, möglichst viel Gewicht zu Heben also Leistungssport bzw. Gewichtheber oder eher den perfekten Körper zu erreichen?

Für mich stand von Anfang an die Entwicklung der Muskulatur im Vordergrund. Gewichte sind lediglich Mittel zum Zweck, sozusagen Hammer und Meissel. Das Gewichtheben ist eine andere Sportart.

6. Was sagst du zu diesem Zitat? "Was bei Frauen Magersucht ist, ist bei Männern Bodybuilding, eine krankhafte Fixierung auf seinen eigenen Körper".

Eine krankhafte Fixierung ist immer schlecht, sei es beim Briefmarkensammeln oder im Beruf. Wichtig beim Bodybuilding ist ein gesundes Körperbewusstsein. Wenn man dem Ganzen eventuell noch einen künstlerischen Aspekt abgewinnen kann, dann umso besser.

Krankhafte Fixierung/Wahrnehmung im Bodybuilding ist übrigens ein sehr interessantes Thema, zu welchem bereits diverse Studien publiziert worden sind. Die Fachleute sprechen dabei von "Reverse Anorexia", also "umgekehrter Magersucht". Pope, Katz and Hudson beschrieben dieses Phänomen 1993 in einer viel beachteten Studie. 8 % der untersuchten Bodybuilder bezeichneten ihre Masse als unzulänglich, obwohl sie in Tat und Wahrheit sehr muskulös waren. In seiner schwersten Form kann diese  psychische Krankheit zu einer völligen Abkehr vom sozialen Umfeld, zu gestörtem Essverhalten, chronischem Übertraining und Drogenmissbrauch führen.

Bodybuilding darf auf keinen Fall zum Lebensinhalt werden. Es muss (neben Familie, Beziehung, Schule und Beruf) eines von vielen Mosaiksteinchen des täglichen Lebens bleiben.

7. Hast du in deiner Karriere Verletzungen bzw. Abnützungsprobleme gehabt?

Bis dato wurde ich von schlimmeren Verletzungen verschont. Mein Motto lautet: "train hard but smart". Ich bin kein Gewichtheber!

Die wenigen Rückschläge, die ich hatte, waren meist auf die harte Wettkampfvorbereitung zurückzuführen; aufgrund der sehr kohlenhydrat- und fettarmen Diät ist der Körper dann einiges verletzungsanfälliger.

8. Was fällt dir spontan zum Frauenbodybuilding ein?

Tolle Sache, so lang es drogenfrei betrieben wird. Über zu grosse Muskeln brauchen sich Frauen, aufgrund ihres natürlichen Hormonhaushalts (weniger Testosteron), um Gotteswillen keine Gedanken zu machen.

9. Wie begegnen dir Leute, wenn du Ihnen von deiner Sportart erzählst? Was sind so die ersten Reaktionen?

Ein grosser Vorteil des Natural Bodybuilding ist, dass man in Alltagskleidung einen durchaus "normalen" Eindruck macht. Man stösst seine Mitmenschen nicht mit einem gorillamässigen Erscheinungsbild vor den Kopf. Im Idealfall stolziert man auch nicht durch die Gegend, als ob man Sonnenbrand unter den Armen hat. Aber das ist ein anderes Thema.

Am meisten Interesse bekunden die Mitmenschen an Ernährungstipps: "Was muss ich tun, um meinen Bauch loszuwerden?" u.s.w...Auf diesem Gebiet sind wir Natural Bodybuilder in der Regel Fachleute, denn der Muskelerhalt während einer harten Wettkampfdiät erfordert viel Wissen und Erfahrung.

10. Wenn du nun zurück blickst, würdest du dich nochmals fürs Bodybuilding entscheiden oder eher für eine andere Sportart?

Auf jeden Fall Bodybuilding. Dies ist ein fantastischer Sport, den man bis ins hohe Alter betreiben kann uns sollte. Die gesteigerte Kraft, Flexibilität und Vitalität leistet dabei auch in allen anderen Lebenslagen gute Dienste.

11. Was hältst du von der Aussage, dass Bodybuilder prinzipiell dumm sind?

(lach)...solch einer differenzierten Betrachtungsweise kann ich eigentlich nur zustimmen ;-)